Kasimir und Karoline

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Kasimir und Karoline

Schauspiel von Ödön von Horváth.

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Inszenierung Markus Steinwender Kostümentwurf Anne Buffetrille Bühne Markus Steinwender Musik Ensemble Songs von Die Ärzte, Marianne Rosenberg, Stefan Paul Goetsch
Mit Christian Scharrer (Kasimir), Melanie Kogler (Karoline), Daniel Ruben Rüb ( Schürzinger), Dominik Hohl ( Merkl Franz), Susanna Bodingbauer (Erna), Karl Hofer (Rauch), Erwin Jochinger (Speer), Romana Hinterreither (Maria), Theresa Leimlehner/Miriam Fussenegger (Kellnerin), Barbara Schinko-Tubikanec (Elli), Hans Ruspeckhofer ( Ausrufer) Produktion Kulturhaus Bruckmühle, Pregarten Premiere 2. Juli 2010, Kulturhaus Bruckmühle, Pregarten

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Pressestimmen

Kulturhaus Bruckmühle: Im Juli am Oktoberfest Schon im Juli lockt diesmal das Oktoberfest, und mit Horvaths „Kasimir und Karoline“ in der Regie von Markus Steinwender ein etwas anderer Theaterabend im Kulturhaus Bruckmühle in Pregarten.

Nicht auf Stühlen, sondern an Biertischen im Innenhof der Bruckmühle dürfen die Besucher Platz nehmen. Rundum sind Buden aufgestellt, Lebkuchenherzen locken wie ein Versuch im Dosenschießen. Es besteht kein Zweifel: Man ist am Oktoberfest, dem Schauplatz von Horvaths Volksstück. Oder am Tummeplatz der kapitalistischen Welt des Konsums, die nicht nur 1929 in sich zusammenstürzte.

In Krisenzeiten scheint selbst die Liebe nicht zu helfen. Gerade die Liebe nicht. Kasimir, arbeitsloses Krisenopfer, ist deprimiert, seine Braut Karoline will sich amüsieren. Just im Vergnügungspark steuern beide ihrem Beziehungsuntergang entgegen. Treffend besetzt sind die Figuren: Melanie Kogler ist eine kokett naive Karoline, Christian Scharrers Kasimir sitzt der Lebensfrust tief im Nacken. Der scharmante „Schürzinger“ (Daniel Ruben Rüb) ist einem Flirt nicht abgeneigt. Die beiden betagten wie betuchten Lustmolche Rauch und Speer (Karl Hofer und Erwin Jochinger) schon gar nicht. Und Karoline auch nicht.

Wenn der Zug an der Bruckmühle vorbeibraust winken alle. Nur einer nicht, der Revoluzzer Merkl Franz (Dominik Hohl) reckt dann trotzig einen gewissen Finger gen Himmel. Eigentlich die einzigen Momente, in denen er seine resignative Erna (Susanne Bodingbauer) nicht demütigt. Zur ausgleichenden Gerechtigkeit gibt es schmissige Schlager-Einlagen von Romana Hinterreither (Maria) und Barbara Schinko-Tubikanec (Elli), etwa „Männer sind Schweine“. Regisseur Markus Steinwender sorgt für Abwechslung, wozu auch dass Spiel an wechselnden Orten beiträgt. Arme Schweine sind letztlich alle im Stück, denen ihre soziale Not einen Strich durch die Lebensrechnung macht, wie der Kapitalismus der Menschlichkeit. „Der Mensch wäre nicht schlecht, wenn es ihm nicht schlecht gehen tät“, sagt Erna.

Die heitere Tristesse des Daseins nimmt ihren Lauf. Als Karoline, des Abenteuers überdrüssig, zu Kasimir zurück will, ist der schon neu verbandelt, mit Erna. Der Zug braust diesmal nicht vorbei, er ist schon abgefahren. Ob Karoline ihr Luftballon entglitten ist wie der Liebste, oder sie ihn losgelassen hat? Weil nichts mehr hilft, außer eine neue Liebelei, wenn Zukunft eine Beziehungsfrage ist.

Langer, kräftiger Applaus.“
Oberösterreichische Nachrichten, 5.7.2010

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Fest an der Feldaist Bruckmühle zeigt Ödön v. Horváths „Kasimir und Karoline“

Volksfest im lauschigen Freigelände der Brückmühle in Pregarten: Blasmusik und Marktstandln samt Bieranstich durch die lokalen Bürgermeister empfangen das Publikum am angenehm kühlen Ufer der Feldaist. Die Zuschauer sind Teil des Geschehens, wenn sie als Volksfestgäste in der Szenerie des Schauspiels „Kasimir und Karoline“ sitzen.

Kasimir (Christian Scharrer, berührend traurig) geht mit seiner Freundin Karoline (Melanie Kogler gibt sie lebenslustig) auf das Oktoberfest. Er kann seiner Braut nichts bieten, weil er in Folge der Wirtschaftskrise soeben abgebaut worden ist. „Wird der Mann arbeitslos, dann lässt die Liebe nach, ganz automatisch“, meint lakonisch der Merkl Franz, ein kleinkrimineller Macho, überzeugend dargestellt von Dominik Hohl. Als seine Freundin Erna beeindruckt Susanna Bodingbauer mit starker Bühnenpräsenz. Kasimir ist deprimiert, es gibt Streit. Und Karoline läuft ihrem Verlobten davon, um bald drauf mit dem schüchternen jungen Schürzinger (Daniel Ruben Rüb) zu schäkern. Zwei nicht mehr ganz nüchterne ältere Herren (Karl Hofer und Erwin Jochinger) zeigen sich spendabel, erwarten allerdings für ihre Großzügigkeit Gegenleistungen. Am Ende sieht Karoline ein, dass sie einen Fehler gemacht hat. Sie möchte sich mit Kasimir versöhnen, doch der weist sie nun zurück.

Der Salzburger Regisseur Markus Steinwender schuf eine überzeugende Volksfestatmosphäre, die in scharfem Kontrast zu den trostlosen sozialen Verhältnissen steht. Seine Idee: die Schauspieler auch als Art „Stadl“- Sänger auftreten zu lassen. Lieder wie „Männer sind Schweine“ erfreuten das Publikum ebenso wie der hübsche Einfall, den oft und laut vorbeifahrenden Zügen der Summerauerbahn fröhlich zuzuwinken. Großer Applaus des Publikums, das im Anschluss weiterfeierte.
Neues Volksblatt, 5.7.2010

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„Krise der Herzensbildung
Die Sehnsucht nach der unerreichbaren emotionalen Erfüllung: „Kasimir und Karoline“ in Pregarten

Mit viel Sensibilität für Horváths Sprachgebung punktet die Inszenierung von „Kasimir und Karoline“ in der Bruckmühle

Pregarten – Die Liebe in Zeiten der Krise, sie ist bei Ödön von Horváth eine endliche. Wenn er seinem Volksstück „Kasimir und Karoline“ das Motto „Und die Liebe höret nimmer auf“ voranstellt, dann klingt mit dem Bibelzitat vor allem die kleinbürgerliche Sehnsucht nach der unerreichbaren emotionalen Erfüllung an.

Eine Sehnsucht, die zwischen dem gerade entlassenen Kasimir und seiner Verlobten Karoline in die Brüche geht. Die Scherben, sie werden unter die Biertische des Oktoberfests gekehrt. Während Kasimir seinen Frust über den Jobverlust weder auf Beziehungsebene noch mit Bier loszuwerden vermag, frönt Karoline der Ablenkung per Fahrgeschäft.

Christian Scharrer und Melanie Kogler erweisen sich in der Inszenierung Markus Steinwenders als perfekt besetztes Titelpaar. Scharrers Kasimir schwankt zwischen Poltern, Melancholie und Scham, während Kogler ihre Karoline eine ebenso naive wie selbstbewusste Leichtlebigkeit angedeihen lässt.

Der Schauplatz Oktoberfest wird in der Aufführung der Bruckmühle mit Buden nachempfunden, an den aufgestellten Biertischen sitzt das Publikum selbst. Das Ensemble spielt um und zwischen den Reihen, für Wirbel auf den Wegen darf zuvorderst der aufbrausende Merkl Franz (Dominik Hohl ) sorgen. Die von ihm unterdrückte Erna (Susanna Bodingbauer) trällert trotzig Ich gehör zu dir, während sich Karolines Zufallsbekanntschaft Schürzinger (Daniel Ruben Rüb) an rassistischem Schlagergut versucht – Liedtexte als Variante von Horváths „Bildungsjargon“ , hier der schlampigen Herzensbildung zugehörig.

Mit viel Sensibilität für Horváths Sprachgebung und gut integrierten Laien vermag die Inszenierung zu überzeugen. Und selbst der vorbeifahrende Zug wird eingebunden, als Symbol für das entglittene Leben, dem man noch fröhlich nachwinkt.“
DER STANDARD, Printausgabe, 9.7.2010

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Über das Stück

Der Chauffeur Kasimir befindet sich mit seiner Verlobten Karoline auf dem Oktoberfest. Sie will sich amüsieren, Kasimir ist jedoch nicht zum Feiern zumute, da er am Vortag abgebaut wurde. Sie streiten sich, ihre Wege trennen sich, eine Versöhnung liegt immer wieder greifbar nah, aber ihre Gespräche enden immer wieder in Streit. Das Stück über die Liebe in Zeiten der Krise ist auch fast 80 Jahre nach seiner Uraufführung brandaktuell.

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